Eugenie Schwarzwald
Die Künstlereigenschaft aller Kinder erwecken und erhalten
„Ist es nicht ergreifend, was für einen Aktionsradius diese bewundernswerte Frau hat?, schreibt Robert Musil 1924 über Eugenie Schwarzwald.
Die Anzahl ihrer Gründungen, Aktivitäten und Initiativen ist tatsächlich fast unüberschaubar. Die korpulente „Frau Doktor“ ist eine der bedeutendsten Schulgründerinnen Österreichs, deren reformpädagogische Ansätze in die berühmte Schulreform Otto Glöckels eingegangen sind. Mit ihrer Mädchenschule in der Wallnerstrasse 9 ermöglicht sie Mädchen zu maturieren. Es gelingt ihr namhafte Lehrer an ihrer Schule zu beschäftigen: Hans Kelsen, Arnold Schönberg, Egon Wellesz und der junge Adolf Loos. Während des ersten Weltkrieges initiiert Eugenie Schwarzwald die Aktion „Wiener Kinder aufs Land“ und errichtet die erste Gemeinschaftsküche „Akazienhof“ in Wien. Ab 1918 beginnt sie mit der Gründung einer Reihe von Erholungsheimen. Um all diese Projekte finanzieren zu können, führt sie kommerzielle Unternehmen, wie z.B. eine Gemüsefarm und ein Taxiunternehmen.
An ihren Schulen wird nach ihrem Hauptprinzip unterrichtet: „Die Schule muss versuchen, eine Künstlereigenschaft, die alle Kinder besitzen, die Vitalität, zu erwecken und zu erhalten.” Kreativitätsförderung. Bewegungsfreiheit für ihre Schülerinnen ist ebenfalls von Bedeutung. So gilt an ihren Schulen Korsettverbot und die Mädchen turnen im Freien am Dach der Schule. Eugenie Schwarzwald engagiert sich auch für die Zulassung von Frauen zum Hochschulstudium in Österreich. Sie hat als eine der ersten Frauen in Zürich Germanistik studiert. Ihr Doktortitel wird in Österreich jedoch nie anerkannt. Eugenie Schwarzwald gelingt es auch viele Genies in ihrem Haus in der Wiener Josefstädterstrasse 68 zu versammeln. Zu Berühmtheiten werden auch einige ihrer Schülerinnen wie die Schriftstellerinnen Hilde Spiel und Vicky Baum, die Kunsttherapeutin Edith Kramer oder die Psychoanalytikerin Else Pappenheim. Eugenie Schwarzwald befindet sich 1938 auf einer Vortragsreise in Dänemark, von der sie aufgrund des Anschlusses Österreichs an Hitlerdeutschland nicht mehr zurückkehrt. Sie stirbt ein Jahr nach ihrem Mann Hermann Schwarzwald, der ihr ins Schweizer Exil gefolgt ist, 1940 in Zürich. Ihre Schulen werden von den Nationalsozialisten geschlossen, ihr Vermögen liquidiert und viele ihrer Schülerinnen verfolgt und vertrieben.
Die Geschichte einer außergewöhnlichen Frau im Spiegel ihrer Schüler_innen und Freund_innen!
